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Interview mit Rena Glück, Ludwig Bar – über ihre neue Bar in Dießen

  1. Was macht eine gute Bar aus? 

Eine Bar sollte ein Ort sein, in dem sich wirklich jeder willkommen fühlt. Generell im Gastronomie-Bereich finde ich es wichtig, dass sich das Personal aufgeschlossen zeigt, dass die Atmosphäre warm und herzlich ist und man gerne am nächsten Abend wieder kommt. Fairuz liegt es nach jahrelanger Bar-Erfahrung besonders am Herzen, dass die Qualität stimmt. Die musikalische Untermalung und die Akustik im Laden sind zum Beispiel auch elementare Dinge. Aber grundsätzlich ist die Stimmung ausschlaggebend, dass man eine gewisse Wärme spürt und sich eingeladen fühlt. Ich finde nichts schlimmer als so eine aufgesetzte Exklusivität in Bars.

2. Dein Freund Fairuz und Du habt die letzten Jahre in München gewohnt. Wie kam die Idee am Ammersee eine Bar zu eröffnen? 

Also wir haben schon immer gesagt, dass wir gerne in der Gastronomie selbstständig sein würden, aber nie konkret nach etwas gesucht. Mein Vater, der schon ewig am Ammersee wohnt und jahrzehntelang das ehemalige Fuchs & Has betrieben hat, hatte mir dann von einer freien Lokalität in Dießen erzählt und plötzlich war die Idee geboren. Natürlich, nicht ganz plötzlich, da man logischerweise sowas nicht über Nacht entscheidet. (überlegt kurz) …wobei andererseits ging‘s dann auch recht schnell. Wir haben uns dann beworben, haben die Präsentation vor dem Gemeinderat gemacht und hatten eigentlich wenig Hoffnung, dass wir es kriegen. Ich habe hier zwar einige Zeit gewohnt, aber die anderen Bewerber hatten auch so starke Konzepte. Wir dachten, sie wählen eher Leute, die hier beständig gelebt haben. Aber quasi direkt nach der Präsentation kam die Zusage. Kurz nach dem Bescheid haben wir dann natürlich ordentlich gefeiert. Und dann war die Entscheidung eigentlich getroffen, dass wir das jetzt machen. Ich hab’s auch bisher nicht bereut! (lacht)

3. Würdest Du sagen, die Gastronomie liegt einem in den Genen? 

Ganz klar: Ja. Ich finde, dass du dieses „Gastgeber-sein“ schon mögen musst. Man erkennt Leute sofort, die in der Gastro nur zum Geldverdienen da sind und die, die es mit einem gewissen Feuer und mit Herz machen. Und das liegt einem dann irgendwo schon in den Genen und es ist etwas, das man nicht lernen kann, sondern aus Überzeugung ist. Gastgeberin aus Leidenschaft – die neue Dokuserie im Ersten. (lacht) Nein, Scherz beiseite: Man muss lieben, was man tut. 

 

4. Welche Fertigkeiten braucht eine gute Gastronomin? Welchen Herausforderungen stellt sich eine Barbesitzerin?  

Diese gewisse Herzlichkeit eben. Dass man es liebt gastzugeben. Was ich gerade für mich lerne, ist, sich selbst eine Struktur zu schaffen. Man denkt zuerst „Ja, ich bin jetzt selbstständig, ich kann jetzt alles so machen, wie ich will.“ Aber falsch gedacht, es gibt so viel was im Hintergrund läuft, außerhalb der regulären Geschäftszeiten. Ich merke gerade, dass ich eine klare Alltagsstruktur brauche und da muss man echt hinterher sein, damit man sich nicht verzettelt. 

 

5. Steckt hinter der Ludwig Bar ein Konzept? Und wenn ja – welches? 

Außer dem Thema, dass hier Alle willkommen sind und alles easy ist, gibt es das Sharing-Konzept. Es gibt bei uns Vorspeisen-Platten zum Teilen. Es gibt keine direkte Linie, in die die Küche geht. Wir gehen in verschiedene Richtungen bzw. schauen, dass wir generell Favorites anbieten wie Hummus, Halloumi und so weiter. Frische Snacks eben, die den Meisten schmecken. Dann macht Fairuz auch seine Eigenkreationen, die „Home-grown“-Drinks. Qualitative Cocktails, die besonders sind und die man vielleicht nicht kennt. Wir wollen eine Bar in Dießen für Alle, für die Community, einen Treffpunkt, an dem sich jeder wohl fühlt. 

6. Euer Opening ist nun schon etwas her. Wie reagiert das ländliche Publikum? Was denkst Du unterscheidet eine Bar in der Stadt zu einer Bar in Dießen am Ammersee? 

Die meisten Leute freuen sich sehr, dass es jetzt einen Ort gibt, an dem man sich verabreden kann, ohne direkt essen zu gehen. Das habe ich bereits von vielen gehört, dass sie das sehr genießen. Wir werden sehr gut angenommen und hatten auch schon einige Geburtstage, die bei uns gefeiert wurden. In der Stadt ist es anonymer und man hat einen höheren Durchlauf an Gästen. Auf dem Land kommen eher bekannte Gesichter, aber das gefällt uns sehr. Wir haben hier auch neue Menschen, aber viele Dießner, die auch regelmäßig kommen. Und das trägt ja auch so ein bisschen zu unserem Konzept bei, dass so eine intimere und lockere Beziehung zustande kommen kann. Auch unter den Gästen. Es kommen Leute rein, die sich untereinander kennen, die wir kennen und das ergibt dann eine sehr warme Atmosphäre. Das ist schon sehr schön. 

 

7. Wieso ist die Fünfseenregion Deiner Meinung nach ein so besonderer Ort? 

Ich finde, dass die Lebensqualität sehr hoch ist. Man ist direkt am Wasser. Und die Leute sind einfach entspannter. Ich dachte auch nicht, dass mich es wieder so packt, dieses Heimatgefühl. Aber doch, das hat es. Die Menschen sind irgendwie ausgeglichener. Allein das Einkaufen macht mehr Spaß als in der Stadt. Alles ist lokaler und persönlicher und dann geht man in den urigen Schraubenladen ums Eck oder auf den Wochenmarkt und man fühlt sich direkt angesprochen und zu Hause. 

 

8. Was ist Dein Lieblingsort im Fünfseenland? 

Oh, das ist eine fiese Frage. Das ist schwer, weil ich fast zwanzig Jahre nicht mehr vor Ort war. Mit neun bin ich in die Schweiz und dann nach München. Ich kenne mich auch nicht mehr so gut aus. Aber warte, wenn man von Dettenschwang nach Dießen fährt, geht es eine Allee herunter und plötzlich kann man alles sehen: Den See, die Berge, das ganze Panorama, der Weitblick. Und es sieht jeden Tag anders aus. Letztens stand die Sonne so, dass es aussah wie in einem Heidi-Film. (lacht) Ich weiß, das klingt kitschig, aber mir gibt das jedes Mal so ein gutes Gefühl. 

 

9. Was würdest Du Jemandem empfehlen, der neu im Fünfseenland ist? Als Unternehmerin sowie als Privatperson? 

Es ist zwar voll das Touri-Ding, aber ich liebe den Steckerlfisch von der Vroni in Andechs. Das ist zwar oft sehr überlaufen und im Sommer würde ich das nicht empfehlen, aber die geräucherte Lachsforelle ist einfach nicht zu übertreffen. Ich würde einem Urlauber oder „Seen-Neuling“ raten, einfach mal mit dem Fahrrad rumzufahren, da es überall Schönes zu entdecken gibt. Unternehmerisch gesehen, kann ich aktuell noch keine großartigen Erfahrungsberichte liefern, aber ich würde aus dem Bauch heraus sagen: Authentisch zu sein schadet schon mal nicht.  

 

10. Was würdest Du Dir für das Fünfseenland wünschen? 

Dass viel so bleibt, wie es ist. Es ist schon schön, dass es gemütlich und entschleunigt ist. Dass es nicht zugepflastert ist mit Neubauten oder Parkplätzen. Das Schöne darf schon erhalten bleiben. Das ist auch das, was es ausmacht. 

 

11. Dein Go-to-Spot im Sommer, wenn Du nicht gerade im Ludwig bist? 

Am See natürlich bzw. auf dem See! Wo sonst? 

 

12. Stichwort Perfect Pairing. Was ist ein unschlagbares Team? 

Unser „Al Green“ gepaart mit der Chorizo in zweierlei Kartoffel-Püree von unserer Vorspeisenplatte. Das kommt ziemlich gut am Gaumen. Und natürlich mein Freund Fairuz und ich.

Rena Glück, Gastronomin,
Ludwig Bar, Prinz-Ludwig-Straße 23, 86911 Dießen am Ammersee

Fotos: Ludwig Bar

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